vermischtes

Hier erfahren Sie mehr über meine veröffentlichten Kurzgeschichten aus dem 'normalen' Leben.

NEU: In der Puppenstube, in: Schwäbisch-kriminelle Weihnacht, 24 Krimis, 30 Rezepte, Wellhöfer Verlag, Mannheim, 2017, www.wellhoefer-verlag.de

 

Inhalt: Frauke und Leopold sind frisch verheiratet. Sie ziehen zu den Eltern des Ehemanns nach Tübingen. Frauke hofft auf das Glück in einer neuen Familie. Doch die Schwiegermutter Grete beginnt, Frauke zu schikanieren und ihr die Hölle auf Erden zu bereiten.  Bei Leopold findet Frauke kein Verständnis. Und so wälzt sie schon bald Mordgedanken. Aber wird sie sie auch in die Tat umsetzen?

 

Anfang: "Leopold machte eine ausholende Geste, als wolle er Frauke den Marktplatz zu Füßen legen. „Siehst du, Kitz, der Tübinger Weihnachtsmarkt ist etwas ganz Besonderes. Er findet nur am dritten Adventswochenende statt. Außerdem präsentieren sich hier ausschließlich Vereine, Schulen, Privatleute und kleine Händler.”

Verzückt betrachtete Frauke die einfachen Waren aus Ton oder Holz, Selbstgestricktes und -eingemachtes. Zum ersten Mal im Leben aß sie Schupfnudeln mit Sauerkraut. Es schmeckte ihr.

Leopold wollte Frauke seinen Eltern vorstellen. Und so hatten sie sich auf den weiten Weg von Berlin nach Tübingen gemacht. Leopold nahm die Gelegenheit wahr, Frauke seine Heimatstadt Tübingen zu zeigen. Stolz präsentierte er die verwinkelten Gassen und die mittelalterlichen Häuser. Frauke fühlte sich sofort wohl und geborgen. Die Stadt kam ihr vor wie eine Puppenstube."

 


Desintegration, in: BIM e. V. (Hrsg.): GrenzenLos - Vielfalt leben, Ausgewählte Erzählungen und Kurzgeschichten, Literaturwettbewerb zur 10. Bonner Buchmesse Integration, Free Pen Verlag, 2015, www.freepenverlag.eu

 

Inhalt: Ein perfekt integrierter türkischer Migrant gerät in eine Lebenskrise, als seine Tochter plötzlich Kopftuch trägt und eine stolze Muslima und Türkin sein will.

 

Anfang: "Er schaut die Tochter an. Seit ein paar Wochen trägt sie Kopftuch und unförmige Kleidung. Das Kopftuch verhüllt all ihre Haare, liegt eng ums Gesicht gewunden, das dadurch – wie er findet – nur umso nackter wirkt.

Er streitet mit ihr darum. Will, dass sie aufhört mit dem Unsinn. Er argumentiert, mahnt zur Vernunft. „Das ist nicht die Türkei“, sagt er.

„Was ist denn die Türkei?“ Sie ist aufgebracht. „Das ist die wahre Türkei, die stolze Türkei. Und du – du bist ein Verräter.“

Er verstummt, vor diesem Vorwurf erschrocken.

Hilflos verbietet er das Kopftuch."


Gute Nachbarschaft, in: Bettina Hellwig (Hrsg.): Schwabens Schwarze Seele, 25 Krimis, 28 Rezepte, Wellhöfer Verlag, Mannheim, 2015, www.wellhoefer-verlag.de

 

Inhalt: Die ältere Dame Margarete Nessel lebt allein mit ihrem Kater in der Tübinger Südstadt. Sie legt Wert auf gute Nachbarschaft. Besonders ins Herz geschlossen hat sie das junge Ehepaar Kapf. Doch die Kapfs haben ein Geheimnis - ein Geheimnis, das tödlich endet.

 

Anfang: "Margarete Nessel schaute auf die Küchenuhr. Es war sieben Minuten nach neun Uhr.

„Na, Peterle, hast du Durst?“ Margarete füllte sorgfältig eine Schüssel mit frischem Wasser und stellte sie vor ihren Kater. Sie hatte richtig gelegen. Ihr Liebling trank zügig.

Natürlich wusste sie, dass die meisten Katzenbesitzer in der Tübinger Südstadt ihre Katzen frei laufen ließen, aber sie fürchtete die B28, die wenige Häuserblocks von hier entfernt vorbeiführte. Wenn die Katzen ihr Revier erweitern wollten, versuchten sie, die Schnellstraße zu überqueren. Und das endete oft mit ihrem Tod. So behielt sie Peterle lieber in der Wohnung."

 

 


 

Herr und Sklave, in: Faszination alter Reiche, net-Verlag, Tangerhütte, 2014, www.net-verlag.de


Inhalt: Lucius besucht eine römische Latrine in der germanischen Provinz. Dort belauscht er ein Mordkomplott. Können er und sein Sklave Primus den Anschlag verhindern?


Anfang: „Lucius stand vor der öffentlichen Latrine, die in ihrer Ingenieurskunst und Pracht ein Sendbote römischer Zivilisation in die germanische Provinzstadt war. Er wandte sich zu seinem Sklaven um. „Du wartest hier, Primus.“

Noch immer regte sich ein kribbliges Gefühl in Lucius' Magen, wenn er seinem Sklaven etwas befahl. Primus nannte er ihn, weil er sein erster Sklave war, sogar der erste in seiner ganzen Familie, und es sollten ihm noch viele folgen, wenn es nach Lucius ging.“

 


 

Verguckt, in: Planet Kassel. Literarische Annäherungen, Verlag Wortwechsel, Kaufungen, 2012, Anthologie des Nordhessischen Autorenpreises 2012


Inhalt: Der Rentner Heinz Abele fährt allein nach Kassel. Dort begegnet er der attraktiven Martina Meysch. Die beiden verbringen einen schönen Tag zusammen. Doch was hat Martina am nächsten Tag auf einer bunten Demonstration zu suchen?


Anfang: „Heinz Abele ärgerte sich noch, als sein Zug in den Bahnhof Wilhelmshöhe in Kassel einfuhr. Seit er im Ruhestand war, hatte er ein neues Hobby: Preisausschreiben. Mit Hingabe bastelte er aufwändige Karten, auf denen er in großer Schrift das Lösungswort vermerkte. Nun hatte er das erste Mal etwas gewonnen: zwei Übernachtungen für zwei Personen in Kassel. Aber dann hatte er mit seiner Frau unablässig gestritten, über alles, worüber man streiten kann, wenn man verreisen will. Schließlich weigerte sich seine Frau mitzufahren. Und so fuhr Heinz allein – und ärgerte sich über die Verschwendung.

Als er am Bahnhof ausstieg, atmete er tief ein. Er roch die Luft einer fremden Stadt. Sofort ging es ihm besser, denn die Luft roch nach Currywurst und Pommes frites. Und Heinz begann zu ahnen, dass er auch ein paar Tage Freiheit roch.“

 


Diese Anthologie erschien im Engelsdorfer Verlag, ISBN 978-3-86268-584-4, www.engelsdorfer-verlag.de

 

Der erste Arbeitstag, in: Gabriele Bensberg (Hrsg.): Von weißen und schwarzen Schafen, Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2011


Inhalt: Einem arbeitslosen Schlosser droht Hartz IV. Das will er verhindern. Er beschließt, Dieb zu werden. Sorgfältig bereitet er sich vor. Doch der erste Diebeszug gestaltet sich völlig anders als geplant.


Anfang: „Ich bin ein einfacher Mann. Immer bin ich ehrlich gewesen.

Ich habe als Schlosser gearbeitet, und das 35 Jahre lang. Dann machte unser Betrieb pleite. Ich wurde arbeitslos. Also schrieb ich Bewerbungen, hängte mich ans Telefon, sprach bei anderen Betrieben vor. Aber ich war schon über 50. Ich bekam überall Absagen.

Ich lebte vom Arbeitslosengeld. Das ging so einigermaßen. Doch dann drohte Hartz IV. Dieser Gedanke quälte mich. Dann die Idee: Ich muss den Beruf wechseln!

Auswahl hatte ich freilich keine, ebenso wenig wie Aussicht auf eine Umschulung - in meinem Alter. Also musste ich improvisieren. Und wenn schon Ausgrenzung, dann wollte ich sie selber in der Hand haben. Ich beschloss, Dieb zu werden.

Ich hatte keine romantischen Vorstellungen vom Dasein als Dieb. Darum bereitete ich mich gewissenhaft vor. So holte ich mir Fachliteratur über Kriminalität aus der Bibliothek und entwarf mein Berufsethos. Aus der Literatur erfuhr ich, dass die Betroffenen, die 'Opfer', an Albträumen und Angstzuständen leiden konnten, wenn jemand ungebeten in ihre Privatsphäre eindrang und sie bestahl. Das wollte ich nicht. Ich würde äußerste Rücksicht walten lassen, nichts durchwühlen und unordentlich zurücklassen. Meine Ziele waren ohnehin bescheiden, denn ich brauchte nicht viel. Es ging mir nur um Lebensmittel und Haushaltsgeld. Die befanden sich meist in der Küche, das Geld höchstens im Wohnzimmer. Weiter würde ich in die Wohnungen nicht vordringen und so die Beeinträchtigung der Bewohner in Grenzen halten, mich in der Peripherie der Wohnungen bewegen.“